Milliardengeschäft Krieg: Söldner und Sicherheitsdienste im Aufschwung
- Wolfgang Lieberknecht
- vor 17 Stunden
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Telepolis: Der Milliardenmarkt für private Militärfirmen wächst. Söldner für professionellen Schutz verdienen viel mehr als etwa in der Bundeswehr. Doch die Karriere ist gefährlich.
Die lästige Schuldenbremse ist vom Tisch, denn "Geld in die Hand nehmen" ist bei den meisten Politikern beliebt. Die sehr speziellen Umstände, unter denen der Bundestag am 18. März diese Änderung des Grundgesetzes beschlossen hat, werden noch länger die Debatten und die parlamentarischen Umgangsformen bestimmen.
Die deutliche Zweidrittelmehrheit wurde aus unterschiedlichen Motiven bei den Abgeordneten erreicht. Neben deren parteipolitischen Eigeninteressen gab es ein einigendes Motiv, das allerdings nicht von allen Wählern in dieser Form geteilt wird.
Die Dringlichkeit der Billionenschulden wurde vor allem mit einem noch nie dagewesenen Sicherheitsrisiko begründet, weil die militärische Bedrohung durch Russland wachse, während auf Atomschirm und Beistandspflicht der USA kein Verlass mehr sei.
In Deutschland und den meisten EU-Ländern sind deshalb Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit angesagt. Auch die nicht nur in Deutschland ausgesetzte allgemeine Wehrpflicht wird immer mehr zur politischen Priorität.
Die bisher für 2025 geplanten deutschen Verteidigungsausgaben betragen fast 72 Milliarden Euro, rund 2,9 Prozent der Welt-Militärausgaben von 2,5 Billionen Dollar. Im vergangenen Jahr hat Russland 109 Milliarden für seine Armee und den Krieg verausgabt, knapp zwölf Prozent des amerikanischen Verteidigungsbudgets. Wie viele weitere Milliarden bis zur deutschen Kriegstüchtigkeit notwendig sind, wird die neue Koalition entscheiden müssen.
Die in Brüssel geplanten zusätzlichen 800 Milliarden für Rüstungsbeschaffung werden ebenfalls nicht plötzlich zur Einsatzfähigkeit beitragen, unter anderem weil die Waffen zu 65 Prozent aus EU-Produktion stammen müssen, was bei Tausenden Einzelteilen und Komponenten kaum von der Beschaffungsbürokratie zu kontrollieren ist.
Die Kommission will bis 2030 kriegstüchtig sein, allerdings haben neben Ungarn auch Spanien, Griechenland und mehrere osteuropäische Länder Bedenken angemeldet.
Private Military Companies und das Söldnerproblem
Bei den ständig steigenden Militärbudgets weltweit hat sich neben den offiziellen Armeen ein ebenso dynamischer Geschäftszweig öffentlich entwickelt, der inzwischen auf einen Gesamtumsatz von rund 250 Milliarden Dollar 2024 geschätzt wird.
Das Geschäft der Söldner wird diskret organisiert, in den deutschen Medien wurde es erst durch die russische Gruppe Wagner bekannt, verschwand aber weitestgehend aus den Schlagzeilen, nachdem ihr Gründer Dmitry Utkin 2023 spektakulär bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.
Die Wagner-Söldnertruppe hatte nach der Krim-Annexion 2014 die prorussischen Separatisten im Donbass unterstützt. Weitere Einsatzorte waren Libyen, Syrien, Mali und die Zentralafrikanische Republik, immer im Interesse der russischen Außenpolitik.
Die Private Military Companies (PMCs oder auch Private Military and Security Services, PMSC genannt) sind kein neues Phänomen und im Westen erheblich stärker professionalisiert und am Markt etabliert als in Russland.
Nach den beiden Weltkriegen, die auf allen Seiten mit Wehrpflichtigen geführt worden waren, entwickelte der britische Veteran David Stirling 1965 ein Konzept für den Einsatz von Söldnern und machte seine Firma "Watch Guard International" mit Einsätzen im Jemen, in Sambia, Sierra Leone oder Libyen zum Erfolgsmodell für die heutige PMC-Industrie.
Da die Pensionierungsgrenze in den meisten offiziellen Armeen niedrig liegt, ist eine Beschäftigung bei den PMCs für erfahrene Soldaten attraktiv. Sie werden dort euphemistisch "contractors" genannt, denn Söldnertum ist in vielen Ländern illegal, aber kaum reguliert.
Elitesoldaten wie die Navy Seals verdienen bei der führenden amerikanischen PMC Academi bis zu viermal so viel wie in der Armee. Die Verdienstmöglichkeiten reichen je nach PMC, Ausbildung, Erfahrung und Gefährlichkeit des Einsatzes bis zu 2.000 US-Dollar pro Tag, zudem weitgehend steuerfrei.
Allerdings sind die persönlichen Risiken auch sehr groß. In Afghanistan sind deutlich mehr amerikanische "Contractors" gefallen als offizielle "boots on the ground", nämlich 3.846 zu 2.448, abgesehen von Verwundeten und Traumatisierten, die den Einsatz überlebten.
Die PMCs sind auch im privaten und kommerziellen Sicherheitsgeschäft aktiv, etwa bei der Bewachung von wichtigen Industrieanlagen wie Pipelines, Häfen, Kraftwerken und Raffinerien. Für spezielle "extraction operations" wie die Befreiung und Evakuierung von wichtigen und zahlungskräftigen Personen sind Beträge über 10.000 US-Dollar pro Kopf normal, die Einsatzkosten gehen dabei leicht in die Millionen.
In Deutschland sind PMCs vorwiegend im Personen- und Objektschutz aktiv. Die Firma Asgaard in Hamm, mit Büros in Bagdad und Maputo, bietet neben Personenschutz, Objektschutz und Sicherheitsberatung auch Aus- und Weiterbildung an.
Die Firma Pretoria-Service Management GmbH in Bayern hat ein breites Angebot an Objekt- und Personenschutz, Sicherheitstechnik und für eine angepasste Sicherheitslösung. Sie alle sind Konkurrenten zur Bundeswehr, weitere Informationen finden sich überall im Netz – und werden viel abgerufen, die Angebote sind individuell und umfassend.
Aktivitäten in Konflikt- und Krisengebieten sind nicht bekannt. Aber in einem Artikel der Deutschen Welle von 2009 wird der Autor des Buches "Exportschlager Tod", Franz Hutsch zitiert, dass deutsche Söldner seit dem Bosnienkrieg auch zunehmend im internationalen Geschäft mit dem Sicherheitsdienst auftauchen. Die eine oder andere Veranstaltung berichtet über Aufgabe und Dienstleistung im modern gewordenen Söldnerwesen, in dem ganz eigene Regeln gelten.
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